Part 10 (2/2)
Die hof'sche Zucht erwies da Siegfried daran: Den Schild legt' er nieder, wo der Brunnen rann; Wie sehr ihn auch durstete, der Held nicht eher trank, Bis der Konig getrunken; dafur gewann er ubeln Dank.
Der Brunnen war lauter, kuhl und auch gut, 5 Da neigte sich Gunter hernieder zu der Flut.
Als er getrunken hatte, erhob er sich hindann; Also hatt' auch gerne der kuhne Siegfried getan.
Da entgalt er seiner hof'schen Zucht; den Bogen und das Schwert Trug beiseite Hagen von dem Degen wert, 10 Dann sprang er zurucke, wo er den Wurfspiess fand, Und sah nach einem Zeichen an des Kuhnen Gewand.
Als der edle Siegfried aus dem Brunnen trank, Er schoss ihm durch das Kreuze,[9] da.s.s aus der Wunde sprang Das Blut von seinem Herzen hoch an Hagens Gewand; 15 Kein Held begeht wohl wieder solche Untat nach der Hand.
Den Gerschaft im Herzen liess er ihm stecken tief.
Wie im Fliehen Hagen da so grimmig lief, So lief er wohl auf Erden nie vor einem Mann!
Als da Siegfried Kunde der schweren Wunde gewann, 20
Der Degen mit Toben von dem Brunnen sprang; Ihm ragte von der Achsel eine Gerstange lang.
Nun wahnt' er da zu finden Bogen oder Schwert, Gewiss, so hatt' er Hagnen den verdienten Lohn gewahrt.
Als der Todwunde da sein Schwert nicht fand, 25 Da blieb ihm nichts weiter als der Schildesrand, Den rafft' er von dem Brunnen und rannte Hagen an; Da konnt' ihm nicht entrinnen Konig Gunters Untertan.
Wie wund er war zum Tode, so kraftig doch er schlug, Da.s.s von dem Schilde nieder wirbelte genug 30 Des edeln Gesteines; der Schild zerbrach auch fast, So gern gerochen hatte sich der herrliche Gast.
Da musste Hagen fallen von seiner Hand zu Tal, Der Anger von den Schlagen erscholl im Wiederhall.
Hatt' er sein Schwert in Handen, so war' es Hagens Tod. 35 Sehr zurnte der Wunde, es zw.a.n.g ihn wahrhafte Not.
Seine Farbe war erblichen, er konnte nicht mehr stehn, Seines Leibes Starke musste ganz zergehn, Da er des Todes Zeichen in lichter Farbe trug; Er ward hernach betrauert von schonen Frauen genug. 40
Da fiel in die Blumen der Kriemhilde Mann, Das Blut von seiner Wunde stromweis nieder rann; Da begann er die zu schelten, ihn zw.a.n.g die grosse Not, Die da geraten hatten mit Untreue seinen Tod.
Da sprach der Todwunde: ”Weh, ihr bosen Zagen, 45 Was helfen meine Dienste, da ihr mich habt erschlagen?
Ich war euch stets gewogen, und sterbe nun daran; Ihr habt an euren Freunden leider ubel getan.
Die sind davon bescholten, so viele noch geborn Werden nach diesem Tage. Ihr habt euern Zorn 50 Allzusehr gerochen an dem Leben mein; Mit Schanden geschieden sollt ihr von guten Recken sein.”
Hinliefen all die Ritter, wo er erschlagen lag, Es war ihrer vielen ein freudeloser Tag.
Wer Treue kannt' und Ehre, der hat ihn beklagt; 55 Das verdient' auch wohl um alle dieser Degen unverzagt.
Der Konig der Burgunden klagt' auch seinen Tod.
Da sprach der Todwunde: ”Das tut nimmer Not, Da.s.s der um Schaden weine, von dem man ihn gewann; Er verdient gross Schelten, er hatt' es besser nicht getan.” 60
Da sprach der grimme Hagen: ”Ich weiss nicht, was euch reut; Nun hat doch gar ein Ende, was uns je gedraut.
Es gibt nun nicht manchen, der uns darf bestehn; Wohl mir, da.s.s seiner Herrschaft durch mich ein End' ist geschehn.”
”Ihr mogt Euch leichtlich ruhmen,” sprach der von Niederland; 65 ”Hatt' ich die morderische Weis' an Euch erkannt, Vor Euch behutet hatt' ich Leben wohl und Leib.
Mich dauert nichts auf Erden als Frau Kriemhild, mein Weib.
Nun mog' es Gott erbarmen, da.s.s ich gewann den Sohn, Der jetzt auf alle Zeiten den Vorwurf hat davon, 70 Da.s.s seine Freunde jemand meuchlerisch erschlagen; Hatt' ich Zeit und Weile, das musst' ich billig beklagen.”
”Wohl nimmer hat begangen so grossen Mord ein Mann,”
Sprach er zu dem Konig, ”als Ihr an mir getan; Ich erhielt Euch unbescholten in grosser Angst und Not; 75 Ihr habt mir schlimm vergolten, da.s.s ich so wohl es Euch bot.”
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