Part 23 (2/2)

Wenn er nun bei sich denkt: 'War' etwas Wahres an der Sunde, Der ich mein Weib fur schuldig finde, 105 Hatte der Ritter solcherma.s.sen Das Land gewiss niemals verla.s.sen.'

So wird der Argwohn bald entkraftet, Den er bisher auf mich geheftet; Auch soll es dir kein Leid bereiten, 110 Dich aufzuhalten dort im weiten, Bis das Geschwatz wird einmal stumm, Das hier zu Lande lauft herum.

Und bringt der susse reine Christ Dich wieder heim nach kurzer Frist, 115 So hast du's besser kunftiglich Mit deiner Minne, wie auch ich, Denn das Geplapper von uns zwein Wird, hoff' ich, ausges...o...b..n sein.

Gott sei's geklagt, da.s.s du allhier 120 Nicht immer bleiben kannst bei mir, Und ich bei dir, wie ich begehr'.

Nun komm zu mir, mein lieber Herr, Und steck' dir dieses Ringlein an: Dich soll's erinnern dann und wann, 125 Wie ich hier weil' mit schwerem Sinn, Weil ich von dir geschieden bin.

Jetzt kusse mich nur noch einmal Und tue, wie ich dir befahl.”

Der werte Ritter trennte sich 130 Von ihr und ging wehmutiglich Ans Ufer, wo ein Schiff sich fand, Und fuhr nach dem gelobten Land.

Doch schwerer wurde mit der Zeit Des Liebekranken Weh und Leid, 135 Es drang bis auf der Seele Grund, Er ward von tiefer Sorge wund Und klagte ofters von der Pein, Die wutete im Herzen sein.

So lebt' er jammervolle Tage 140 Und trieb so lange seine Klage, Bis er am Ende kam so weit In seinem grenzenlosen Leid, Da.s.s er nicht mehr mochte leben.

Solch elend Los war ihm gegeben, 145 Da.s.s auch sein aussres deutlich sprach Von seinem inneren Ungemach.

Und als der Ritter wusste, Da.s.s er bald sterben musste, Sprach er also zu seinem Knecht: 150 ”Mein Trautgesell, vernimm mich recht!

Ich sehe leider wohl, Da.s.s ich bald sterben soll, Weil die, die ich so sehr geliebt, Grausam zu Tode mich getrubt. 155 Das ist nun meine Lage, Drum h.o.r.e, was ich sage: Wenn meine allerletzte Not Vorbei ist, und ich liege tot Durch das holdselige Weib, 160 So la.s.s aufschneiden meinen Leib Und nimm mein Herz heraus, All blutig und von Farbe graus.

Sodann sollst du es salben Mit Balsam allenthalben; 165 So bleibt es frisch auf Jahr und Tag.

Und h.o.r.e, was ich weiter sag'.

Schaff' dir ein goldnes Buchselein, Verziert mit edelem Gestein; Darein mein totes Herze tu' 170 Lege das Ringlein auch hinzu Und bring' es meiner Frauen, Damit sie moge schauen, Was ich von ihr erlitten, Und wie mein Herz verschnitten 175 Um ihretwillen. Gott beglucke Meine arme Seel' und schicke, Da.s.s die weitentfernte Susse Gluck und Lebensfreud' geniesse, Da ich hier nun liege tot.” 180 In solcher schweren Herzensnot Verschied der Ritter. Mit dem Toten Verfuhr der Knecht, wie ihm geboten: Er kehrte heim mit heissem Schmerz Und trug mit sich das tote Herz. 185 Doch als er durch die Gegend eilte, Wo jene hohe Frau verweilte, Kam ihm--es war sehr ungelegen-- Ihr werter Ehgemahl entgegen, Bedrohte ihn mit scharfem Wort 190 Und nahm das Herze mit sich fort.

Dem Koche liess er's uberreichen, Der eine Speise sondergleichen Fur seine Herrin machen sollte.

Der Koch tat, wie der Schlossherr wollte, 195 Und ganz unwissentlicher Weise Genoss die Frau die ekle Speise.

Es deucht' ihr gut, sie a.s.s es gern Und sprach also zu ihrem Herrn: ”Ist dieses Essen lobesam 200 Wild gewesen oder zahm?”

Der Herr erwiderte gemessen: ”Du hast des Ritters Herz gegessen, Der mit so liebevollem Sinne Stets trachtete nach deiner Minne. 205 Von sehnsuchtsvoller Herzensnot Liegt er in weiter Ferne tot Und hat sein Herz in dieses Land Durch seinen Knecht zu dir gesandt.”

Entsetzen traf das holde Weib, 210 Das Herz erkaltet' ihr im Leib, Die Hande fielen ihr zum Schoss, Das Blut ihr aus dem Munde goss; Zuletzt sprach sie in tiefem Schmerz: ”a.s.s ich also des Freundes Herz, 215 Der stetig mich geliebt so sehr, So sag' ich Euch bei meiner Ehr', Da.s.s keine andre Speise mir Von diesem Tage fur und fur Den Mund beruhrt. Ich folge nach 220 Dem Freunde, der nie Treue brach; Ich weiss, ich komme bald ans Ende.”

Sie faltete die weissen Hande, Es brach das Herz in ihrem Leib, Sie sank dahin ein totes Weib. 225

+XXVII. LATER MINNESINGERS+

During the 13th century the making of amatory verses in honor of a liege lady became a part of the ordinary fas.h.i.+on of knighthood. In time the 'nightingales' could be counted by the hundred. Many of them were very clever metricians, but not many found anything to express that had not been better expressed before. A few of the more noteworthy among Walter's successors are represented in the following selections, which are taken from Obermann's _Deutscher Minnesang_. The most original is Neidhart von Reuental, who eschewed the conventional _hohe Minne_ and sang l.u.s.tily of the plebeian maid and the rustic dance.

+1+

+Reinmar von Zweter: Gebot an den Unendlichen.+

Gott, Ursprung aller guten Ding', Gott, alle Weit' und Breite rings umschliessend wie ein Ring, Gott, aller Hoh' Bedeckung, aller Tiefe endeloser Grund, O sieh aus deiner Gottlichkeit Herab auf deine teuer dir erkaufte Christenheit, Um die dein eingeborener Sohn ward an dem heil'gen Kreuze wund.

Er hat sich uns vermahlt mit seinem Blute: Die Liebe komm' uns auch von dir zugute Um dessen will'n, durch den wir kamen Von Holle los und Teufelsmacht.

Ihm sei mit dir, Herr, Lob gebracht Als Einem Gotte mit dreifachem Namen.

+2+

+Reinmar von Zweter: Kurze l.u.s.t und langes Leid.+

Du susses Weib! Im Herzen mein Sieh dich doch um, und find'st du dort noch wen als dich allein, So la.s.s mich nur vergehn und ohne Trost bis an mein Ende leben.

Doch herrschest du darin, o dann, Vielsusses Weib, so nimm in Huld dich meiner mehr auch an.

Mehr kann ich nicht: durch meine Augen bist du mir ins Herz gegeben.

Ganz bist du, Susse, mir hineingegangen, Ich hab' dich oftmals heimlich drin empfangen.

Wenn ich so lieb dann an dich dachte, Ein wenig wohler mir geschah; Doch dann sa.s.s ich gar traurig da, Und kurze l.u.s.t mir langes Leid stets brachte.

+3+

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