Part 8 (1/2)
Dietrich der Weigand Nahm Ymelot bei der Hand, 2820 Fuhrte ihn zu Constantin, Und ubergab ihn diesem.
Dann sprach der listige Mann: ”Wir sollten einen Boten haben, Der den Frauen sagte, 2825 Was wir hier vollbracht.”
”In Treue,” sprach Constantin, ”Der Bote sollst du selbst sein Um meiner Tochter willen; Und sage du der Konigin 2830 Und den Frauen allesamt, Da.s.s wir nach Hause reiten Mit sehr frohlichen Herzen.
Einen Teil deines Volkes La.s.s du mit mir bleiben.” 2835 Da sprach der listige Mann, Da.s.s er gerne tate, Was der Konig verlange.
Dietrich ging von dannen Mit seinen Heimatsmannen, 2840 Die andern schickte er zum Konig; Der bat sie grossen Dank haben.
Zu sich nahm er seine Leute, Die ubers Meer mitgefahren, Und erklarte den Kuhnen, 2845 Was er beabsichtige; Die teuren Weigande Wollten gern nach Hause.
Dietrich fuhr von dannen.
Ein Marchen, das war herrlich, 2850 Brachte er zu Constantinopel, Der beruhmten Burg: Er sagte, er sei entflohen Mit allen seinen Mannen.
Da weinte die Frau Konigin: 2855 ”Ach weh, wo ist Constantin Und die Weigande Aus manchem Lande?
Dietrich, lieber Herr, Sollen wir sie wiedersehen?” 2860 ”Nimmermehr, das weiss Gott!
Erschlagen hat sie Ymelot Und reitet her mit Heereskraft; Er will die Stadt zerstoren, Ich kann mich ihm nicht wehren 2865 Und muss fliehen ubers Meer.
Die Weiber und die Kinder, So viel ihrer in der Burg sind, Denen wird zuteil der Tod: Es erschlagt sie Ymelot.” 2870 Da nahm Constantins Weib Ihre Tochter, die herrliche, Und sie baten Dietrich Beide sehr ernsthaft, Sie von den Heiden zu retten, 2875 Die mit einem Heere kamen.
Da hiess der listige Mann Die schonen Zelter Der Konigin fortziehen; Er fuhrte sie zu den Schiffen. 2880 Da gab es, konnt ihr glauben, Von manchen schonen Frauen Weinen und Handeringen; Sie konnten sich nicht fa.s.sen.
Es kam eine grosse Gesellschaft 2885 Zu Dietrich aus der Stadt.
Sie wollten alle aufs Meer, Um sich vor Ymelot zu retten.
Da trostete sie der schlaue Mann; Er hatte es aus List getan. 2890 Dietrich hiess seine Mannen Sofort in die Schiffe gehen.
Asprian, der gute Held, Trug den Kammerschatz darein, Sie eilten alle aufs Meer. 2895 Da hiess Konig Rother Die Mutter am Gestade bleiben, Die Tochter in ein Schiff gehn.
Es gab ein grosses Weinen.
Sie sprach: ”Ach, Herr Dietrich, 2900 Wem willst du, tugendhafter Mann, Uns armen Weiber uberla.s.sen?”
So sprach die gute Konigin: ”Nun nimm mich mit ins Schiff Zu meiner schonen Tochter.” 2905 Da sprach der listige Mann: ”Ihr sollt Euch wohl gehaben; Constantin ist nicht geschlagen, Ymelot haben wir gefangen, Constantin ist's wohl ergangen. 2910 Er reitet hierher ins Land Mit guten Nachrichten; Er kommt uber drei Tage.
Ihr konnt ihm wahrlich sagen, Seine Tochter sei mit Rother 2915 Westwarts gefahren ubers Meer.
Nun befehlt mir, herrliche Frau; Ich heisse ja nicht Dietrich.”
”Wohl mir,” sprach die Konigin, ”Da.s.s ich je ins Leben trat. 2920 Nun la.s.se Gott, der gute, In seiner grossen Gnade, Dich meine Tochter schon Recht lang in Freude haben!
Es ist wahr, teurer Degen, 2925 Sie ware dir leichter gegeben, Als du sie gewonnen hast, Hatte es in meinem Willen gestanden.
Wie Constantin das Leben Des jungen Weibes qualte, 2930 Das ist mir das mindeste, Da du nun Rother bist.
Nun fahre, teurer Degen, Und Sankt Gilge segne dich!”
Da sprach das schone Magdlein: 2935 ”Gehabt Euch wohl, Mutter mein!”
Die Frauen so liebsam Gingen lachend von dannen Zu Constantins Saal Und gonnten es dem Rother wohl, 2940 Da.s.s Gott ihn bringe Mit Ehren ins Heimatland.
+XVII. DUKE ERNST+
Another example of the secular minstrelsy brought into vogue by the crusading spirit. The poem originated in the 12th century, but the only complete versions known to us are of the 13th. It contains 6022 verses in the dialect of the Middle or Lower Rhine. The saga is of unusual psychological interest. Ernst is a brave and upright Bavarian whom a base calumny deprives of the favor of the emperor Otto. For a while he maintains himself in a bitter feud with the empire, but finally gives up the hopeless fight and sets out, with a few loyal followers, for Jerusalem. In the Orient he has many wonderful adventures, one of which is related below, and so deports himself that on his return the emperor receives him back into favor.
_Lines 3915-4199: The magnetic rock in the Curdled Sea._
Die Helden weilten da nicht mehr, 3915 Sie fuhren auf der wilden See Mit frohlichem Gemute.
Jetzt meinten die guten Helden, Es musse ihnen wohl gehen.
Da stieg nun ein Schiffsmann 3920 Zu oberst auf den Mastbaum; Die Meeresstromung trieb sie Schnell nach jenem Hafen zu.
Und nun erschrak er sehr daruber, Als er den Berg erkannte; 3925 Es ward ihm leid und bange.
Hinunter in das Schiff Rief er also zu den Recken: ”Ihr Helden so schmuck, Nun wendet euch geschwind 3930 Hin zu dem ewigen Wesen!
Es kostet uns das Leben, Bleiben wir hier stecken.
Der Berg, den wir gesehen, Der liegt auf dem Lebermeer![1] 3935 Es sei denn, da.s.s Gott uns rettet, Wir sterben hier allzusammen.
Wir fahren gegen den Stein zu, Von dem ihr mich reden hortet.
Jetzt sollt ihr euch hinkehren 3940 Zu Gott in wahrer Reue Und aus dem Herzen tilgen, Was ihr wider ihn getan.
Ich will euch, Helden, wissen la.s.sen Von der Kraft des Felsen 3945 Und von der Herrschaft, Die er in seiner Art hat: Treibt ein Schiff ihm entgegen Innerhalb dreissig Meilen, So hat er in kurzer Zeit 3950 Es an sich gezogen; Das ist wahr und nicht erlogen.
Haben sie irgendwelches Eisen, Das darf niemand weisen; Sie mussen gegen ihren Willen dran. 3955 Wo ihr die Schiffe liegen seht, Vor dem dunkeln Berge dort Gleich an des Steines Kante, Da mussen wir auch sterben Und vor Hunger verenden-- 3960 Es ist nicht abzuwenden,-- Wie alle anderen getan haben, Die hierher segelten.
Nun bittet Gott, da.s.s er Uns helfe und gnadig sei. 3965 Wir sind nahe dem Felsen.”
Als der Herzog das vernahm, Sprach der Furst lobesam Zu den Herren sonderlich: ”Jetzt sollt ihr inniglich, 3970 Meine lieben Notgesellen, Zu unserm Herrn flehen, Da.s.s er uns gnadiglich In sein Reich empfange Wir gehn an diesem Stein zugrunde. 3975 Nun lobt ihn allzusammen Mit Herzen und mit Zungen.