Part 72 (2/2)
Aus allen goldnen Zeiten begleiten dich, Natur, die Dichter! Dichter des Altertums!
Der spaten Nachwelt Dichter! Segnend Sehn sie ihr heilig Geschlecht hervorgehn.
[Notes: 5: The entire ode, dating from 1747 and consisting of eight 'songs' in Alcaic meter, was at first ent.i.tled _An des Dichters Freunde_. Wingolf, as it was finally called, is the Norse Gimle, the abode of the blest after Ragnarok. The seven preceding songs extol the various friends who, united in a new Bardenhain, are to usher in a new Golden Age.]
+3+
+An f.a.n.n.y.+[6]
Wenn einst ich tot bin, wenn mein Gebein zu Staub Ist eingesunken, wenn du, mein Auge, nun Lang uber meines Lebens Schicksal, Brechend im Tode nun ausgeweint hast,
Und stillanbetend da, wo die Zukunft ist, 5 Nicht mehr hinaufblickst, wenn mein ersungner Ruhm, Die Frucht von meiner Junglingstrane,[7]
Und von der Liebe zu dir, Messias,
Nun auch verweht ist, oder von wenigen In jene Welt hinuber gerettet ward; 10 Wenn du alsdann auch, meine f.a.n.n.y, Lange schon tot bist, und deines Auges
Stillheitres Lacheln, und sein beseelter Blick Auch ist verloschen, wenn du, vom Volke nicht Bemerket, deines ganzen Lebens 15 Edlere Taten nunmehr getan hast,
Des Nachruhms werter als ein unsterblich Lied, Ach, wenn du dann auch einen begluckteren[8]
Als mich geliebt hast, la.s.s den Stolz mir, Einen begluckteren, doch nicht edleren! 20
Dann wird ein Tag sein, den werd' ich auferstehn!
Dann wird ein Tag sein, den wirst du auferstehn!
Dann trennt kein Schicksal mehr die Seelen, Die du einander, Natur, bestimmtest.
Dann wagt, die Wagschal' in der gehobnen Hand, 25 Gott Gluck und Tugend gegen einander gleich; Was in der Dinge Lauf jetzt missklingt, Tonet in ewigen Harmonien!
Wenn dann du dastehst jugendlich auferweckt, Dann eil' ich zu dir! saume nicht, bis mich erst 30 Ein Seraph bei der Rechten fa.s.se, Und mich, Unsterbliche, zu dir fuhre.
Dann soll dein Bruder, innig von mir umarmt, Zu dir auch eilen! dann will ich tranenvoll, Voll froher Tranen jenes Lebens 35 Neben dir stehn, dich mit Namen nennen,
Und dich umarmen! Dann, o Unsterblichkeit, Gehorst du ganz uns! Kommt, die das Lied nicht singt, Kommt unaussprechlich susse Freuden!
So unaussprechlich, als jetzt mein Schmerz ist. 40
Rinn, unterdes, o Leben! Sie kommt gewiss, Die Stunde, die uns nach der Zypresse ruft.
Ihr andern, seid der schwermutsvollen Liebe geweiht, und umwolkt und dunkel!
[Notes: 6: The ode dates from 1748. f.a.n.n.y Schmidt was a young woman whose indifference to Klopstock's devotion threw him back on the hope of a union in heaven.
7: _Junglingstrane_; tears of high poetic aspiration.
8: _Begluckteren_, 'more blest' with this world's goods.]
+4+
+Hermann und Thusnelda.+
Ha, dort kommt er mit Schweiss, mit Romerblute,[9]
Mit dem Staube der Schlacht bedeckt! So schon war Hermann niemals! So hat's ihm Nie von dem Auge geflammt!
Komm, ich bebe vor l.u.s.t! reich mir den Adler 5 Und das triefende Schwert! Komm, atm', und ruh' hier Aus in meiner Umarmung, Von der zu schrecklichen Schlacht!
Ruh' hier, da.s.s ich den Schweiss der Stirn abtrockne, Und der w.a.n.ge das Blut! Wie gluht die w.a.n.ge! 10 Hermann! Hermann! So hat dich Niemals Thusnelda geliebt!
Selbst nicht, da du zuerst im Eichenschatten Mit dem braunlichen Arm mich wilder fa.s.stest!
Fliehend blieb ich, und sah dir 15 Schon die Unsterblichkeit an,
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